Eigentlich ist dieses Wochenende meine letzte Chance zur Prüfungsvorbereitung. Aber die Hochzeit von Wut und Fon konnte ich nun wirklich nicht absagen. Also saß ich schon Freitagabend zusammen mit zwei Amis (Magon and Steph), Koji und elf meiner Thais in Tik’s Minivan auf dem Weg nach Chaiyaphum im Nordosten Thailands. In Thailand finden Hochzeiten nämlich traditionell im Haus der Braut statt. Ich bin mir sicher wenn wir in Deutschland so etwas machen würden, wir würden schauen, dass wir auf der Fahrt dahin tunlichst etwas Schlaf bekommen, immerhin steht ja ein anstrengendes Wochenende an. Nicht aber so in Thailand. Die haben es tatsächlich geschafft bis zu unserer Ankunft morgens um sechs durchgehend zu Sunny’s Gitarrenmusik zu singen. Ihr könnt mir glauben, das war ein riesen Spaß, aber eben auch die erste Nacht ohne Schlaf. In Chaiyaphum angekommen hatten wir dann so zwei Stunden Zeit um uns frisch zu machen und etwas zu relaxen, bevor es dann auf die Hochzeit ging. Und die war schon aufregend. Als wir dort hinkamen, die Hochzeit fand im Freien statt, gab es eine Treppe die in einen Raum führte. Und als mir dann noch jemand gesagt hat, dass da oben die Zeremonie stattfindet, habe auch ich meine Schuhe ausgezogen (immer ganz wichtig) und bin hinaufgestiefelt. Und dort saßen dann bestimmt schon so hundert Leute, die meisten sicher Verwandte, alle auf dem Boden. und manche auch in Gruppen um irgendwelche Sachen rum. Der Bräutigam war auch schon da. Dummerweise saß gerade jetzt kein Englisch sprechender Thai bei mir, sondern nur die Amis, die auch keine Ahnung hatten. Also saß ich nur da und beobachtete, was passierte. Und das war als nächstes, dass die Braut plötzlich aus einer Tür herauskam und sich neben ihren Zukünftigen setzte. Und von da an kam es bestimmt so zu hundert Bräuchen, die ich zum Großteil schon vergessen habe und eh nicht erklären könnte. Aber aufregend war es schon. Irgendwann haben auch wir Ausländer weiße Bändchen um den Arm gebunden bekommen, sie sollen uns Glück bringen. Die Braut hatte zum Schluss bestimmt hundert dieser Bändchen um ihren Arm. Nach der Zeremonie, so eine Stunde später, sind alle wieder nach unten, wo es jetzt erst mal essen gab. Und Whiskey, was ich so gar nicht fassen konnte. Die fangen doch tatsächlich schon in aller Frühe und dazu noch auf der Hochzeit mit dem Trinken an. Unfassbar! Zusätzlich gab es auch noch Karaoke. Also ich habe weder gesungen, noch getrunken. Aber das Essen war wunderbar Schon gegen Mittag war die Hochzeit für uns 15 beendet, die Hochzeit war nämlich nur eines der Highlights dieses Wochenendes. Nächste Station war der Pa Hin Ngam National Park, so zwei Stunden entfernt von der Hochzeit. Auf der Fahrt dahin wurde natürlich wieder gesungen, wer braucht schon Schlaf. Meine Thais hatten für dieses Wochenende Zelten im Nationalpark und zusätzlich selber Kochen geplant. Und beides ist wirklich ein Novum für Thais. Bestimmt zwei drittel von denen hat noch nie ein Zelt von innen gesehen und Kochen können die meisten eh nicht, gehen sie doch immer auswärts essen. Beides war auf jedenfalls super lustig und das essen auch klasse. Zumindest Sunny hat das Kochen drauf. In der Nacht auf Sonntag wurde sogar geschlafen, ganze vier Stunden, da die Spinner schon um 5:30 wieder aufgestanden sind. Und Sunny ist tatsächlich so lange mit der Gitarre singend durchs Zelt gelatscht, bis auch die Ausländer wach waren. Nach dem Frühstück haben wird dann diesen wunderschönen Nationalpark besichtigt. Am Nachmittag sind wir auch noch zu einem Wasserfall gefahren und ich muss sagen, das im Wasserfallschwimmen ist immer wieder wunderbar. Anschließend ging es wieder den langen Weg nach Hause und natürlich wurde wieder gesungen und nicht geschlafen. Hinter mir liegt also mal wieder ein wunderbares Wochenende und die Erkenntnis, dass Thais keinen Schlaf brauchen. Das Gute ist, dass sie auch keinen Urlaub haben und so immer nur am Wochenende wegfahren können. Denn nach fünf Tagen mit denen im Urlaub wäre ich tot.
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