Es ist an der Zeit
So es ist an der Zeit mal ein paar Dinge aus meinem Unileben zu erzählen. Seit jetzt schon fast zwei Wochen hat mein Urlaub hier in Thailand ein Ende gefunden und ich besuche fast täglich Vorlesungen. Meine ursprüngliche Planung mir den Montag und Freitag freizuhalten ging aber leider voll in die Hose, denn dummerweise sind gerade an diesen beiden Tagen die interessantesten Veranstaltungen. Jetzt habe ich einen freien Mittwoch, auch nicht schlecht, aber ein langes Wochenende wäre schon cool gewesen. Naja, nächstes Semester habe ich hoffentlich mehr Glück. Die Kurse für die ich mich entschieden habe sind (alle nicht Maschinenbauer können diese Zeilen überspringen) Turbomachinery, Engineering Economy, Measurement and Instrumentation, Combustion and Emission Control und ein Englischkurs. Das Studieren in Thailand ist aber dummerweise nicht so entspannt wie bei uns. In den Kursen herrschen Anwesenheitspflicht, Uniformpflicht (bisher wusste ich nicht wie gut ich darin aussehe), es gibt Hausaufgaben und immer zwei Prüfungen. Oft gehen auch die Hausaufgaben noch mit in die Endnote ein. Eigentlich ist es ein bisschen so wie wieder in die Schule zu gehen. Die Vorlesungen selbst sind aber gar nicht schlecht und sogar anspruchsvoller als ich es erwartet habe und jede Vorlesung geht immer gleich über drei volle Zeitstunden. Dazu ist allerdings einschränkend zu sagen, dass die Vorlesungen immer Minimum 15 Minuten verspätet anfangen und die 15 Minuten lange Pause auch meist bis zu einer halben Stunde dauert. Mit Pünktlichkeit haben es die Thailänder nämlich gar nicht, aber ich passe mich langsam an. Heute war ich sogar mal nicht der erste im Hörsaal. Seit ein Paar Tagen nehme ich mir jetzt auch einen Pullover mit in die Uni, da ich es leid bin ständig in diesen Kühlschrankräumen vor mich hin zu frieren. Es sieht zwar immer ziemlich doof aus, wenn sich da dieser eine Ausländer im Saal, der ja eigentlich die Kälte gewohnt sein sollte, den Pulli anzieht (sonst macht das nämlich keiner), aber was solls: Besser als frieren. Noch dazu passen meine Pullis so überhaupt nicht zu meiner Uniform. Auch meine Professoren sind alle wirklich in Ordnung, sprechen auch ordentliches Englisch und sind auch so immer sehr bemüht es mir recht zu machen. Zumeist reichen schon ein paar Falten auf meiner Stirn und die Sache wird noch mal erklärt. Auch kennen sie mich jetzt alle mit Namen, grüßen mich immer so lieb, fragen mich ob mir ihre Vorlesung gefällt und wie dies und das den bei uns in Deutschland ist, stellen mir allerdings auch gerne mal Fragen. Also heißt es immer brav aufzupassen und das ist gerade jetzt während der WM doch so schwierig, da ich ja so wenig schlafe. Übrigens zahlen die Thais hier an der Uni für jeden Kurs den sie belegen 200 Euro plus noch mal 1500 Euro fürs Semester und das wo hier doch sonst alles so günstig ist. Und bei uns heulen die Studenten über 500 Euro an Studiengebühren pro Semester, irgendwie schon lächerlich. Aber wir Deutschen heulen halt gerne.
In den ersten zwei Wochen hier an der Uni habe ich auch viele neue Leute kennen gelernt, viele Thais, aber auch andere Austauschstudenten (auch zwei Deutsche), es wird einem hier in Thailand aber auch verdammt leicht gemacht. Die Thais kommen auf einen zu, sind unheimlich neugierig, stellen mir viele Fragen und nehmen mich dann auch immer sehr gerne irgendwo mit hin. Also langweilig wird es mir hier so schnell nicht.

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